Stettiner Hütte (2.875 MünN) am Meraner Höhenweg zerstört

Ausgelöst durch einen gewaltigen Lawinenabgang am 06.02.2014 in der Mooser Fraktion Pill in der Nähe von Moos in Passeier am Eingang in das Pfelderer Tal, bei der sich riesige Schneemassen am Pamerhof vorbei talwärts schoben, führten Lawinenexperten vom Landeszivilschutz mit einem Hubschrauber einen Erkundungsflug in dieser Region bis in das Talende des Pfelderer Tales durch. Dabei entdeckte die Besatzung, dass die Stettiner Hütte (2.875 MünN) durch eine verheerende Schneelawine zerstört worden war. Rund die Hälfte des Schutzhauses wurde dabei von einer Staublawine weggerissen. Das Ausmaß der Verwüstung ließ nur erahnen, welche Massen an Schnee sich über die steilen Hänge unterhalb der Hohen Wilde (3.480 MünN) mit all ihren zerstörerischen Kräften talwärts gewälzt haben müssen. Wann dieses Unglück tatsächlich geschah, ließ sich nicht feststellen. Neuschnee hatte den Lawinenabgang bereits wieder vollständig bedeckt. So wurde vermutet, dass bereits im Januar 2014 in Folge der anhaltenden massiven Schneefälle die Lawine abgegangen war und Teile der Stettiner Hütte mit sich riss.

In einem Artikel in der Dolomitenzeitung, Ausgabe vom 15.02.2014, war zu lesen, dass am Tag zuvor Theodor Rösch vom Landesamt für Vermögen und Ralph Rathiens vom Landesamt für Bauererhaltung zusammen mit dem Hüttenwirt Andreas Schwarz aus Moos in Passeier mit dem Helikopter zum Ort des Geschehens geflogen waren, um sich dort einen möglichst umfassenden Überblick über das Ausmaß des Schadens zu verschaffen. Mit dabei war auch Christian Gufler (gleichfalls aus Moos), der die Stettiner Hütte vor Jahren errichtet hatte. Nach der Inaugenscheinnahme kamen die Beteiligten zu dem Ergebnis, dass die Stettiner Hütte nicht mehr sanierungsfähig war. Maßgeblich hierfür war, dass durch die Wucht der Lawine der gesamte Bau um einige Zentimeter verschoben worden war und es damit an der notwendigen Statik des zur Hälfte zerstörten Hauses fehlte. Ob ein Neubau am alten Standort möglich und sinnvoll erschien, blieb dabei zunächst offen. Zur abschließenden Beurteilung war die Hinzuziehung von Geologen erforderlich. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden auf mind. EUR 1 Mio. geschätzt.

Quelle Bilder 1-3: www.provinz.bz.it/news/de; veröffentlicht: Bild 1: 10.02.214; Bild 2: 25.02.214; Bild 3: 16.09.2014
Quelle Bild 4:       www.mtb-news.de; veröffentlicht 13.07.2014


Bild 1: Stettiner Hütte durch eine Lawine im Winter 2013/2014 zerstört                Bild 2: ein großes Loch klafft in der Stettiner Hütte auf der Eingangsseite
Bild 2: bis zum Dachgeschoss im Schnee versunken (Rückansicht)                            Bild 4: die Eingangsseite der Stettiner Hütte wurde halb weggerissen

Das Schutzhaus Stettiner Hütte etwas unterhalb vom nahen Eisjöchl (2.895 MünN) am Übergang vom Pfossental in das sich nach Nordosten hin anschließende Pfelderer Tal war bis dahin ein strategisch außerordentlich wichtiger Stützpunkt auf dem viel begangenen Meraner Höhenweg. Vor diesem Hintergrund war die Forderung nach einem möglichst raschen Wiederaufbau sofort unüberhörbar. Bis dahin musste aber auch nach Ansicht des Alpenverein Südtirol AVS zumindest ein Provisorium geschaffen werden. Dazu erging am 13.05.2014 ein offener Brief seitens des AVS an den Landeshauptmann Arno Kompatscher (die Autonome Provinz Bozen ist Eigentümer der Stettiner Hütte). Denn würde dieser so eminent wichtige Stützpunkt am Meraner Höhenweg für längere Zeit ausfallen, könnte die Zerstörung des Schutzhauses zu finanziellen Einbußen führen und sich somit auf zahlreiche Berggasthöfe entlang des Premiumweges spürbar negativ auswirken. So wurde mit Zustimmung der Landesregierung in Windeseile ein Provisorium direkt neben der zerstörten Stettiner Hütte in Holzbauweise errichtet. So konnte zumindest eine Bewirtung der vorbeikommenden Wanderer auf dem Meraner Höhenweg sichergestellt werden. Diese Hütte ist seit dem 14.07.2014 allerdings nur im Tagesbetrieb geöffnet. Übernachten können Bergsteiger/Wanderer nur in Notfällen. Dafür wurden 12 Notschlafplätze geschaffen.

 

Bis über den Neubau der Stettiner Hütte Klarheit geschaffen ist, wird vorerst der Eishof auf dem Weg vom Pfossental hinüber in das Pfelderer Tal (bzw. umgekehrt je nach Gehrichtung) die strategisch bedeutsame Funktion der Stettiner Hütte im Rahmen seiner nur begrenzten Möglichkeiten übernehmen müssen. Denn im Gegensatz zur Stettiner Hütte mit ihren 80 Betten und 20 Matratzen-lagern bietet der Eishof nur Platz für 28 Personen nebst 10 Matratzenlagern. Die nicht weit davon entfernt gelegenen Hütten der Rableid Alm und der Mitterkaser Alm können da kaum zu einer Entlastung beitragen, da sie jeweils nur über ein noch kleineres Über-nachtungsangebot verfügen. Damit wird vielen Bergfreunden vorerst vermutlich nur der weite Weg vom Vorderkaser (1.700 MünN) über das Eisjöchl (2.895 MünN) hinweg nach Pfelders (1.625 MünN) als Tagesetappe bleiben, wenn sie dieTexelgruppe auf dem Meraner Höhenweg umrunden wollen. Für die somit rd. 22,00 km lange, ambitionierte Wegstrecke mit zusammen rd. 2.730 Hm im Aufsieg/Abstieg muss man ca. 8:40 Std. reine Gehzeit einkalkulieren. Sie erfordert mithin eine gehörige Portion Ausdauer und Kondition.

 

Auch aus Sicht der Landesregierung gilt die Stettiner Hütte als Herzstück des alpinen Tourismus im Passeiertal und am Meraner Höhenweg, weshalb der Neubau tatkräftig unterstützt würde. So hatte die Landesregierung im Rahmen des Raumprogramms am 16.09.2014 den Neubau genehmigt und eine schnellstmögliche Realisierung angesichts ihrer Bedeutung versprochen. Nach der ersten Planung gäbe es 80 Betten in Vierer-, Sechser- bzw. Achter-Kojen und weitere 20 in einem Lager, dazu drei Stuben für insgesamt 110 Gäste, Bar, Küche, WCs und Waschräume sowie die notwendigen Räumlichkeiten für Pächter und Personal. Darüber hinaus würde die Trinkwasserversorgung der Hütte erneuert, indem eine unterhalb der Hütte gelegene Quelle gefasst und das notwendige Pump-system installiert würde.

Nachdem die Geologen jedoch feststellen mussten, dass es keinen geeigneten Alternativstandort für die Stettiner Hütte gibt, müsse zudem der Lawinenschutz verbessert werden, um den Stützpunkt am alten Standort und damit in unverändert exponierter Lage gegen Staublawinen zu schützen. Dazu würde es notwendig sein, eine geeignete Schutzmauer in die Hütte zu integrieren, um die Landschaft nicht zu beeinträchtigen. Die Neubaukosten für die Stettiner Hütte würden in Folge dessen deutlich höher als ursprünglich angenommen ausfallen und sich nach neuen Berechnungen auf ca. EUR 3,30 Mio. belaufen. Die Grundlage für diese Planung wurde durch das Raumprogramm geschaffen und damit zugleich die Voraussetzungen, um den beabsichtigten Planungs-wettbewerb auf die Beine stellen zu können. Auf dieser Basis sollte die Planung in 2015 abgeschlossen und die neue Stettiner Hütte 2016 gebaut werden können.

 

Bei einem neuerlichen Wanderurlaub in Riffian im September 2016 war entgegen dieser Zeitplanung zu hören, dass der Planungs-wettbewerb zum Neubau der Stettiner Hütte nach eingetretenen Verzögerungen wider Erwarten erst im 1. Halbjahr 2016 erfolg-reich abgeschlossen worden sei. Näheres dazu konnten wir trotz intensiver Recherchen allerdings leider nicht in Erfahrung bringen. Es hieß nur, dass mit dem Neubau der Stettiner Hütte nunmehr im Jahr 2017 so rasch als möglich begonnen werden sollte, damit das neue Schutzhaus mit der Wandersaison im darauf folgenden Jahr 2018 seiner Bestimmung übergeben werden kann und der Meraner Höhenweg seine uneingeschränkte, herausragende Bedeutung als Premiumweg wieder erlangt.

 

 

Die Arbeiten zum Bau der neuen Stettiner Hütte wurden mit deutlicher Verspätung nach einer europaweiten Ausschreibung endlich im Mai 2020 an zwei heimische Unternehmen aus dem Passeiertal vergeben (Investitionssumme: € 3,155 Mio.). Beide Unternehmen haben daraufhin unmittelbar mit den erforderlichen Arbeiten begonnen. Für die notwendige Bauzeit sind 3 Jahre veranschlagt. Das Zeitfenster für die Durchführung der Arbeiten umfasst lediglich den Zeitraum von Anfang/Mitte Juni bis Ende September/Anfang Oktober. Das Baumaterial wird über eine Materialseilbahn transportiert; die Arbeiter hingegen werden zu Wochenbeginn hinaufgeflogen. 

Wenn alles nach Plan läuft und die Wetterbedingungen keinen Strich durch die Rechnung machen, wird die neue Stettiner Hütte voraussichtlich im Sommer 2023 fertig gebaut sein. Das neue Schutzhaus wird 84 Schlafplätze bieten. Die Betten sind aufgeteilt in Schlafsäle für 4, 6 und 8 Personen und einen großen Schlafsaal für 20 Personen. Darüber hinaus wird die Stettiner Hütte über Speisesäle für insgesamt 96 Gäste, eine Bar, eine Küche, Toiletten, eine Waschküche sowie Räume für Mitarbeitende und Lagerräume verfügen. 

 

Bildserie über die Stettiner Hütte vor und nach der Zerstörung

Bild  5: Stettiner Hütte in 09.2012  (vom nahen Eisjöchl)                            Bild  6: Stettiner Hütte als Provisorium in 09.2014 (auf dem Weg zum Eisjöchl)

Bild  7: Stettiner Hütte (Stirnseite) in 09.2012                                          Bild  8: Stettiner Hütte (Stirnseite) in 05.2014 (Quelle: www.stol.it; 13.05.2014)

Bild  9: Stettiner Hütte (Rückansicht) in 09.2012                                       Bild 10: von der Stettiner Hütte ist nur noch die Bodenplatte zu sehen (09.2014)

Bild 11: Provisorium teils auf Stelzen gestellt (09.2014)                              Bild 12: neben der Bodenplatte der einstigen Stettiner Hütte steht das Provisorium (09.2014)

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© Heinz-Günter Schyma